Lesung im FanHaus mit dem Autor Uli Hannemann  am 18.10 um 19 Uhr

Eintracht Braunschweig Fibel

Eintracht Braunschweig, du drolliges Ding! Großzügig schenkst du deinen Fans die schönen und hässlichen Seiten der Liebe, ist deine Geschichte doch ein ewiges Yin und Yang in Blau und Gelb – zwischen Bundesliga und TuS Celle.

Uli Hannemann ist Fan der Eintracht bis an die Schmerzgrenze, und das seit vielen Jahren. Peinvoll leidend an der notorischen Glanzlosigkeit seines Clubs aus seiner graumausigen Heimatstadt im Zonenrandgebiet, erlebt er großartige, mutmachende und verbindende Momente im Eintracht-Stadion – bis er beginnt, alles komplett in Frage zu stellen. Doch Ulis Geschichte geht gut aus. Am Ende steht es 1:0 für die blau-gelbe Liebe.

Erzählt wird eine Coming-of-Age-Geschichte entlang eines Fanlebens und dessen verschiedenen Phasen, die bereits in den ironischen Kapitelüberschriften anklingen wie „Stolz“, „Hass“, „Resignation“ und „Rückzug.“ Unter weiteren wie „Tradition“ oder „Heimat“ werden wiederum gerade im Fußball häufig strapazierte Werte als pathetische Lebenskrücken entzaubert.
Der Schwerpunkt der Geschehnisse liegt auf den 70er, 80er und 90er Jahren, mit wenigen Vorgriffen in die Neuzeit bis etwa Ende 2017. Somit fehlen aktuelle Ereignisse rund um den Abstieg und den Trainerwechsel, spielen jedoch angesichts des Charakters dieses Buches ohnehin keine Rolle.

Hoffnungslos subjektiv und über Schmerzgrenzen hinaus selbstironisch schildert der Autor/Erzähler seine Entwicklung. In elf Episoden gerät Eintracht Braunschweig für ihn zum symbolischen Begleiter seines Werdegangs und Katalysator seiner Befindlichkeit. Die Geschichte zeichnet das Bild eines verwirrten und verirrten Kindes, Jugendlichen und jungen Mannes. Trotz der Stilmittel der Übertreibung, Ausschmückung und Erfindung findet sich erschreckend viel Wahres und Erlebtes.

Auf seinem Pfad zur Läuterung vom Fanatismus, ein zentraler Punkt der beschriebenen Entwicklung, hinterfragt der Autor konsequent den Kanon eines männlichen, nationalen und lokalen Chauvinismus; ein derart entschlossener Appell pro Eierlosigkeit weist fast schon wieder genügend Eigentestosteron auf, um die eigene Botschaft ein wenig zu konterkarieren.

Garniert ist die witzige bis tragikomische Handlung mit kritischen Anmerkungen rund um Gesellschaft, Kultur und Fußballkultur, die über den Verein hinausgehen und doch stets auch wieder zu ihm zurückführen – wie gesagt, hoffnungslos subjektiv und umso spannender zu lesen. Das macht dieses Buch auch für eine weniger fußball-, geschweige denn eintrachtaffine Leserschaft interessant.

Uli Hannemann, geboren 1965 in Braunschweig. Er lebt und arbeitet als freier Autor in Berlin und ist dort Mitglied der Lesebühne „LSD – Liebe statt Drogen“. Seine jüngsten Buchveröffentlichungen sind der Ro-man „Hipster wird’s nicht“ (Berlin Verlag; 2014), die Klassik-Parodie „Die Megascharfe Maus“ von Milo: „24 neue Arbeiten des Herakles“ (Berlin Verlag; 2016) und die Textsammlung „Wunschnachbar Traumfrau“ (Voland & Quist; 2017).

Wir sind gespannt und freuen uns auf Euch.

Euer Fanprojekt

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