Circus Maximus Teil 2

Wir stellen ganz nüchtern fest: Der Fußball emotionalisiert mehr als vieles andere, welches es mehr verdient hätte.

Nach den Vorfällen in der Relegation bricht eine Empörungswelle los, die man nur als heuchlerisch bezeichnen kann, der Moral Terror greift Raum – übrigens saufen in dieser Minute wieder ein paar Leute im Mittelmeer ab und in Afghanistan geht vermutlich irgendwo wieder eine Bombe hoch.

Wenn man aber nicht dezidiert und möglichst gebetsmühlenartig, die verdammten Fußballchaoten geißelt und eine deutlich empörte Mainstream konforme Haltung artig artikuliert, wird man mit denen in einen Topf geworfen.
Nach Ursachen oder Hintergründen die erklären, darf man nicht suchen, das bedeutet dann automatisch goutieren der Gewalt.
Wir wollen gar nicht darüber nachdenken, woran uns diese Mechanismen erinnern.
Was bringt es wenn jetzt alle aufschreien: „Das geht gar nicht!“?
Es geht nämlich seit langem und im Grunde bei allen Clubs mit nur leichten Unterschieden und es gibt derzeit keinen Anlass daran zu zweifeln, dass irgendwelche Ausschreitungen auch in Zukunft passieren werden.

Teilweise sind es (junge) Männer, denen in bestimmten Situationen die Affektkontrolle abhanden kommt. Nicht gut, aber auch nicht neu, passiert in anderen Situationen abseits von Kameras unter Alkoholeinfluss ständig, bei Feiern, Schützenfesten, Privatfeiern etc. Also eher ein psychologisches Problem.
Teilweise sind es Menschen die Spaß an Theater jeglicher Art haben und Gewalt sogar suchen. Was macht man mit denen, wenn man sie nicht überführen kann?
Teilweise sind es gruppendynamische Prozesse, die schwer zu steuern sind.
Teilweise ist es vermeintlicher politischer Kampf der mit Gewalt geführt wird.
Alles ätzend, alles falsch, alles wirklich nicht schön und bekämpfenswert.

Was man machen kann, ist zunächst über Bedingungen reden, die das eine oder das andere begünstigen und versuchen daraus die bestmögliche Strategie zu entwickeln.
Dazu gehört auch, dass Relegation in dieser Form ungerecht ist. Dazu gehört, dass der Fußball zwischen Fifa Skandal, Geldgier, Vetternwirtschaft und einem System, das erfolgreiche und reiche Clubs immer reicher macht und Verhältnisse zementiert, den eigentlichen Sinn des Spiels konterkariert, nämlich sich auf Augenhöhe zu begegnen.
Dazu gehören die gesellschaftlichen Entwicklungen.
Dazu gehört auch kritische Begleitung der polizeilichen Maßnahmen.

Dazu gehört vor allem, dass man nicht von den (Eintracht) Fans spricht, wenn man eigentlich eine geringe Anzahl von Menschen meint, die sich so verhalten wie oben beschrieben.

Dazu gehört, dass man sich vom Elfenbeinturm hinab begibt und Menschen begegnet und sie kennen lernt.

Und natürlich gehört dazu der Fan, nicht selbstverliebt, selbstsüchtig und selbstgerecht, aber kritisch und nicht über angepasst, sondern durchaus auch mal deftig, schließlich sind wir beim Fußball und nicht beim Ballett.

Wir sind Eintracht
Euer Fanprojekt

 

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